Schonungen - die größte bewohnte Altlast Bayerns

Schonungen - bis vor knapp vier Jahren ein malerisches gelegenes Dörfchen am Main, inmitten des schönen Frankenlandes. Unweit entfernt von der Industriestadt Schweinfurt/Bayern leben hier knapp 3.500 Menschen, in der gesamten Gemeinde sind es knapp 10.000. Schonungen – ab dem Jahre 2000 konfrontiert mit einer riesigen Umweltkatastrophe! Das halbe Dorf ist von einer unvorstellbar großen Altlast im Boden bedroht. Bis heute einer der größten bewohnten Altlastflächen Deutschlands. Vor über 100 Jahren betrieb der Industrielle, Ehrenbürger und Abgeordnete Bayerns, Wilhelm Sattler, hier die Weltgrößte Farbenfabrik. In seiner Produktion stellte er auch unter anderem das berühmte „Schweinfurter Grün“ her. Der Betrieb lief unter Staatlicher Aufsicht bis 1930. Danach wurde das Betriebsgelände in ein Wohnviertel umgewandelt. Im Jahre 2000 platzte dann die Bombe! Bodenproben der Behörden haben ergeben, dass unter der Erde eine riesige Bodenaltlast schlummert! Schwermetalle wie vor allem Arsen, Blei, Kupfer liegen Tonnenweiße mehrere Meter tief vergraben, aber auch an der Oberfläche. Die Werte 15.000fach über dem Normalwert, in Grundstücken wurden teilweise 148 Gramm des tödlichen Schwermetalls Arsen auf einem Kilo Erde festgestellt! Toxikologen warnen, 0,1 Gramm sind für den Menschen tödlich! Heute sind knapp 150 Grundstücke in Schonungen von der Sattler’schen Altlast betroffen, die Kontamination zieht sich über einem Kilometer durch das Dorf, bis hin zum Main; ein Drittel dieser Flächen sind in Gemeindebesitz. Von Heute auf Morgen wurden all diese Grundstücke wertlos. Familien die hier wohnen fühlen sich hinsichtlich ihrer Lebensqualität und vor allem ihrer Gesundheit massiv bedroht. Klar ist! Die Altlast muss weg, es muss möglichst schnell saniert werden! Da sind sich alle einig! Der Haken an der Sache ist nur, dass ein Bundesgesetz seit 1999 vorschreibt, dass der Eigentümer zu einer Sanierung verpflichtet ist und dafür mit seinem Vermögen haftet. Vom damaligen Unternehmer Sattler gibt es keine Nachfolgen und der Firmenbesitz ging zwischenzeitlich in BASF über! Man nennt die betroffenen Familien in Schonungen in der Fachsprache nun als sogenannte gutgläubige „Zustandsstörer“! Die Betonung liegt auf gutgläubig:

    Niemand hat vor bekannt werden von einer Bodenaltlast gewusst
    Niemand ist Verursacher dieser schlimmen Umweltkatastrophe
    Und Niemand konnte einen Vorteil aus der Verseuchung des Bodens ziehen

Trotzdem heißt es im Bundesbodenschutzgesetz: Sollte der Verursacher wie im Fall Sattler nicht mehr greifbar sein, so muss der Grundstücksinhaber („Zustandsstörer“) im Verkehrswert des Hauses mit Grundstückes für die Sanierung haften. Das ist so, wie wenn ich den Strafzettel eines anderen begleichen müsste, nur noch viel viel schlimmer. Im Klartext heißt das nun für uns, wir bezahlen unser Haus zweimal! Und wenn es eine Sanierung nicht überlebt, wohnen wir dann in Miete, mit einem Berg voller Schulden. Ein Sozialfall für die nächsten 100 Jahre!!! So steht es hier momentan um uns! Am Gesetz wurde nichts geändert! Schlaflose Nächte vergingen und die Behörden rechnen schon jetzt damit, dass die ganze Altlastensanierung Jahrzehnte dauern könnte. Jahre in denen in einem normalen Siedlungsgebiet, Menschen sterben, zuziehen, umbauen, anbauen, wegziehen oder einfach nur ihren Garten neu anlegen – Aber was ist hier schon normal seit 2000? Erben werden ausgeschlagen, der Bachlauf, der mitten durchs Dorf führt, muss mit Mundschutz und Raumanzügen gereinigt werden, Gärten verwildern, die Banken mauern und auch wichtige Umbaumaßnahmen können nicht durchgeführt werden, da dies den Verkehrswert des Hauses mit Hof steigern würde und damit den Haftungsbetrag bei einer Sanierung. Selbst wer nicht in der Kernzone der Sattleraltlast wohnt, nicht betroffen ist, muss bei einem Verkauf durch kostspielige Bodenproben nun sogar beweisen, dass sein Grundstück frei von jeglicher Kontamination ist. Aus dieser Situation heraus, haben die Bürger Schonungen’s schnell gehandelt und eine Bürgerinitiative gegründet. Man weiß, dass man nur gemeinsam stark sein kann! Inzwischen unterhält der Verein drei Spitzenanwälte! Unter anderem auch den bundesweit bekannten Fachanwalt Wolfgang Baumann aus Würzburg, dessen Honorar nur durch einen Pool aus Geldern finanziert werden konnte.